Mit 1.100 km/h durch die Röhre – Hyperloop in Deutschland

Der Hype um den Hyperloop ist abgeebbt. Das heißt aber nicht, dass nicht weiter daran gearbeitet wird, wie die Technische Universität München zeigt, denn Deutschland bekommt in Bayern eine erste Teströhre. Nahe München soll dieser erste Hyperloop entstehen. Die Forscher wollen darin die Hyperloop-Technik in der Praxis erproben. Die Röhre soll 24 Meter lang werden. Darin soll ein Vakuum erzeugt werden, so dass sich ein Fahrzeug darin weitgehend ohne Luftwiderstand durch die Röhre bewegen kann. Um die Reibung noch weiter zu reduzieren, soll Magnetschwebetechnik zum Einsatz kommen.

Der Hyperloop ist ein Hochgeschwindigkeitstransportmittel. Die Technik hinter dem Hyperloop ähnelt der der Rohrpost. In einer weitgehend luftleeren Röhre schweben kapselartige Wagons, auch Pods genannt, praktisch ohne Luftwiderstand und Reibung mit etwa 1.100 km/h. Es könnte eine nahezu emissionsfreien Fortbewegungsmöglichkeit sein, da die Außenseite der Röhre als Fläche für Solarzellen genutzt werden könnte, die dann wiederum die Energiebedürfnisse für Antrieb und Pod bedienen können.

Die Teststrecke der Technische Universität München solle bis Ende 2022 fertig sein, sagte Projektleiter Gabriele Semino. Die Tests sollen dann Anfang des kommenden Jahres starten. Er schätzt, dass die Technik in etwa zehn Jahren so weit gediehen ist, dass erste Strecken gebaut werden können. Mit dem Hyperloop würde eine Fahrt von Berlin nach München etwa eine halbe Stunde dauern. Aktuell sind es mit dem ICE 4,5 Stunden. Der Bau einer Hyperloop-Trasse zwischen beiden Städten würde der Machbarkeitsstudie der Technische Universität München zufolge etwa so viel kosten wie der Bau einer ICE-Trasse.

Hyperloop auf der InnoTrans 2022

Zum ersten Mal findet auf der InnoTrans am 23. September 2022 in Berlin die Hyperloop Conference Halle 15.2 statt. Die Hyperloop-Konferenz ist hiermit die erste internationale Konferenz zum Thema Hochgeschwindigkeitsverkehr weltweit.

Die Hyperloop Conference bietet im Rahmen der „Conference Corner“ Forschenden, Start-ups, Transport-Unternehmen, Vertretern aus der Politik und Investoren aus aller Welt eine Plattform zum Austauschen und Diskutieren. Im Zentrum stehen Fragen wie: Was sind die neuesten technologischen Entwicklungen? Was ist nötig, um eine Hyperloop-Infrastruktur zu implementieren? Wie kann die Hyperloop-Technologie in bestehende Verkehrssysteme integriert werden? Wie kann die Akzeptanz in der Gesellschaft gesteigert werden?

Auf der Agenda der Hyperloop Conference stehen vielfältige Formate mit spannenden Themen rund um den Ultra-High-Speed Transport. Es gibt Keynotes, Panel Diskussionen, Masterclasses und eine HYPERLOOP SAFARI. Es finden unteranderem zwei Diskussionsforen zum Thema Herausforderungen des Hyperloop-Ökosystems für die Personenbeförderung und zu den Herausforderungen des Güterverkehrs statt.

Zu den Referenten der Konferenz gehören Oliver Luksic, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Digitales und Verkehr, Carlo Borghini, Executive Director & CEO des Europe’s Rail Joint Undertaking, Keir Fitch, Head of Rail Safety & Interoperability der GD Move, und Thomas Jarzombek, Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Bildung und Forschung.

Im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln klingt das im ersten Moment sehr beeindruckend, bewegt sich aber nach wie vor im Bereich von Magnetschwebebahnen wie dem Transrapid. In Japan wird derzeit eine 286 Kilometer lange Magnetschwebebahnlinie von Tokio nach Nagoya gebaut, auf der ab 2027 durchschnittlich 420 km/h erreicht werden sollen. Ob Hyperloops da auch ökonomisch mithalten können, hängt wesentlich von ihrer Kapazität ab. Bei 28 Sitzplätzen in einer Kapsel, wie von Elon Musk vorgeschlagen, und zwölf Starts pro Stunde, könnte ein Hyperloop maximal 336 Passagiere pro Stunde in einer Richtung transportieren. Eine Bahnlinie erreicht Werte zwischen 5000 und 10 000 Passagiere pro Stunde. Damit könnten Hyperloops nicht mehr als fünf Prozent des derzeitigen Passagieraufkommens im Luftverkehr und in Hochgeschwindigkeitszügen auf europäischen Hauptverkehrsrouten abdecken. Mittlerweile streben Hyperloop-Unternehmen aber auch mehr Sitzplätze an; Zeleros plant etwa Kapseln mit bis zu 200 Sitzplätzen, die 24 mal in der Stunde starten sollen.

Fazit: Der Hyperloop hat Potential

Die EU-Kommission lässt Hyperloops derzeit im Forschungsprojekt Hypernex untersuchen. Neben Universitäten sind darin die vier Hyperloop-Start-ups aus der EU vertreten, Zeleros aus Spanien, Hardt aus den Niederlanden, Transpod aus Frankreich und Nevomo aus Polen. María Luisa Martínez Muneta von der polytechnischen Universität Madrid, die Hypernex koordiniert, schätzt, dass bis 2025 erste Teststrecken in der EU in Betrieb sein könnten und bis 2030 die ersten Passagierverbindungen.

Der Hyperloop hat durchaus Potenzial. Investitionen, vor allem in strukturschwachen Ländern, können sich dank der Logistik schnell rentieren. Die Fertigstellung der Technologie dürfte aber noch einige Jahre bis Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Die Forschung auf diesem Gebiet läuft weitestgehend noch unter dem Radar, aber es tut sich was – vor allem in Deutschland.