Die Digitalisierung wirkt sich auf die Unternehmen des Schienensektors und der Energiewirtschaft ähnlich aus – Beide Branchen werden sich in Zukunft gravierend verändern.

Die Digitalisierung wird nach der ersten Automatisierung einfacher Tätigkeiten in den 1970/80 Jahren und der Kommerzialisierung des Internets in den 1990/2000ern heute als dritte Innovationswelle bezeichnet: Unser Alltag wird künftig von Assistenzrobotern und autonomen Fahrzeugen beeinflusst. Doch wie stark uns Roboter unterstützen werden oder welchen Einfluss vollautomatische Robotertaxis auf den Nahverkehr haben, ist heute noch nicht abzusehen. Hier bedarf es einer umfassenden gesellschaftlichen Diskussion und veränderter gesetzlicher Rahmenbedingungen zum Beispiel über Haftungsfragen. Für Unternehmen lässt sich die Digitalisierung in folgende, vollständig integrierte Basistechnologien differenzieren.

Digitale Trends für die Betreiber von Stromnetzen*

 

  • Internet of Things (IoT)
  • Machine Learning (Big Data)
  • Industrie 4.0
  • Virtual & Augmented Reality
  • Autonome Systeme

 

In dieser digitalen Zukunft werden immer noch Menschen mit Menschen – aber auch Menschen mit Maschinen, Maschinen mit Maschinen und Maschinen mit Objekten verbunden sein. Die Technik wird es erlauben, viele Ideen und Innovationen umzusetzen, jedoch dürfen dabei Führungskräfte und Belegschaft nicht vergessen werden.

Die Notwendigkeit der digitalen Transformation ist kein Buzzword, sondern mittlerweile durch konkrete Treiber initiiert und durch zahlreiche Projekte untersetzt – wie die folgenden Beispiele der Stromnetz Berlin und der Hafenbahn im Hamburger Hafen zeigen.

 

Die Stromnetz Berlin GmbH

Die digitalen Branchentrends eines Netzbetreibers bilden die Basistechnologien ab (s. Abbildung rechts). Die Branchentrends basieren auf konkreten Treibern. Dazu zählen zum Beispiel veränderte Kundenbedürfnisse in der Bereitstellung von Dienstleistungen, höhere Prozesseffizienz durch neue Technologien und stärkere Vernetzung der Anwendungssysteme. Netzbetreiber werden aber auch durch neue (digitale) Marktplayer, Geschäftsmodelle und durch die höheren Ansprüche der Gesellschaft an Transparenz, Nachhaltigkeit und Partizipation beeinflusst.

Die Stromnetz Berlin hat auf Basis dieser Treiber zahlreiche Projekte definiert. So wird etwa die Entwicklung kundenorientierter digitaler, integrierter Produkte und Dienstleistungen inklusive der Kommunikation, die Automatisierung beziehungsweise Minimierung von internen Schnittstellen, die Vernetzung der (vorhandenen) IT-Systeme vorangetrieben. Ein wesentliches Element ist bei nahezu allen Projekten die weiter wachsende Durchdringung und Abhängigkeit von IT-Systemen. Eine Grundvoraussetzung der erfolgreichen digitalen Transformation ist die Integration und „barrierefreie“ Kommunikation aller Anwendungssysteme miteinander.

Der Erfolg dieser Digitalisierungsprojekte hängt maßgeblich von der Akzeptanz der Mitarbeiter ab, deshalb ist die Verankerung digitaler Arbeitsweisen und Zielstellungen in der Unternehmensstrategie sowie Anziehung, Bindung und Entwicklung von neuen digital kompetenten Nachwuchskräften Bestandteil des Projektportfolios.

 

Die Hamburger Hafenbahn

Bei der Hafenbahn im Hamburger Hafen sind mit der Stromnetz Berlin GmbH vergleichbare Strategien und Konzepte zu finden. So werden unter der Überschrift „Smart port logistics“ die intelligente Informationstechnik zur Digitalisierung der Infrastruktur, die umfassende Sammlung, Verarbeitung und Verteilung von Verkehrs und Wareninformationen für effiziente  beziehungsweise optimierte Verkehrs- und Warenströme genutzt. Konkrete Projekte sind zum Beispiel mit Solarenergie betriebene, autarke Achsendetektoren, die geothermische Weichenheizung und ein ganzheitliches Weichendiagnosesystem mit einem „Infrastruktur Control Center“ und der Möglichkeit, etwa Weichenstörungen präventiv zu erkennen. Ein weiteres Projekt ist die Schaffung einer Integrationsplattform für die Anwendungssysteme.

 

Resümee

Die Digitalisierung ist weder aufzuhalten noch zu fürchten. Für die Unternehmen, die sich systematisch mit dem Thema auseinandersetzen und konsequent innovative Initiativen im Rahmen des digitalen Wandels umsetzen, bietet sie große Chancen. In vielen Unternehmen der Bahnindustrie und Energiewirtschaft mit vergleichbaren Strategien und Projekten ist diese Erkenntnis auch bereits angekommen. Dort wird Digitalisierung, zumindest auf der Leitungsebene, nicht mehr mit Sorge betrachtet. Verunsicherungen der Belegschaft durch das Thema können nur mit intensiver Mitarbeiterbeteiligung und im Rahmen eines klassischen Change Management Prozesses entgegengewirkt werden. Der Erfolg einer digitalen Transformation hängt im Wesentlichen von der Bereitschaft ab, die Arbeitsabläufe gemeinsam mit den Mitarbeitern weiter zu automatisieren, neue, digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln und neue Kooperationsformen einzugehen.

 

 

bahn manager (06-2017): Digital-Roadmap für Bahn- und Energie-Player fast identisch

*Grafik: Stromnetz Berlin GmbH

 


 

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